Charakter-Interviews
In diesen Interviews kommen die Figuren selbst zu Wort.
Sie erzählen von ihrem Leben in der Mega-City, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen.

Valerie Enoa - 17 Jahre alt
Sie lebt in einer Stadt aus Beton, Regeln und Kameras. Wir haben mit ihr über ihr Leben, ihre Freunde und das System gesprochen.
Interviewer:
Hallo Valerie. Ich darf dich doch beim Vornamen nennen?
Sie nickt
Interviewer:
Vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, mir ein Interview zu geben. Deine Geschichte wurde erst vor kurzem veröffentlicht. Es ist dein erster Auftritt in der Öffentlichkeit. Bist du nervös deswegen?
Valerie:
„Schon ein wenig. Ich hatte eigentlich nie vor berühmt zu werden.“
Interviewer:
Die Autorin hat ja nah mit dir zusammengearbeitet. Wie war die Arbeit mit ihr?
Valerie:
„Es war meistens sehr angenehm. Nur als sie auf die Idee kam ihr komplettes Manuskript umzuschreiben, weil sie unzufrieden war, hat dann doch sehr an den Nerven genagt.“
Sie grinst schief
Interviewer:
Wie nah ist die Figur im Buch an der echten Version von dir?
Valerie:
„Ziemlich nah. Die Autorin hat mich erstaunlich gut eingefangen. Leider.“
lächelt schief
„Ein paar Dinge hat sie übertrieben. Aber im Großen und Ganzen… bin ich wohl wirklich so.“
Interviewer:
Welche Eigenschaft von dir hat die Autorin übertrieben?
Valerie:
„Angeblich schreie ich ständig Leute an. Das stimmt nicht.
…meistens hebe ich nur meine Stimme.“
kurze Pause
„Und manchmal haben sie es auch verdient.“
Interviewer:
Wenn du den Text ändern dürftest – was würdest du umschreiben?
Valerie:
"Ich? Ich kann nicht gut schreiben."
beugt sich etwas näher zum Mikrofon
"Und mal ganz ehrlich: Die Autorin tut auch nur so, als könnte sie es."
überlegt kurz
„...können wir den letzten Satz streichen?“
Interviewer:
Was hat dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist?
Valerie:
„Leider verlor ich meine Mom sehr früh. Ich wurde daher von meinem Paps aufgezogen. Das Leben in der Mega-City ist nicht einfach. Ständig muss man auf der Hut sein. Es herrschen strenge Regeln und Verstöße ziehen immer krasse Strafen mit sich.
Aber meine Schwester und meine Freunde sind mir eine starke Stütze.“
Interviewer:
Vertraust du Menschen schnell oder eher langsam?
Valerie:
„Vertrauen ist so eine Sache. Du weißt nie, wer sich dir nähert, aber vielleicht ein Spitzel ist. Daher ist mein Freundeskreis an einer Hand abzuzählen. Aber auf sie kann ich mich verlassen. Wir sind ein tolles Team.“
Interviewer:
Welche Rolle hast du unter deinen Freunden?
Valerie:
„Das ist schwer zu sagen. Am besten Sie fragen die anderen.“
Interviewer:
Ja, das ist geplant.
Valerie:
„Wehe die lassen mich schlecht dastehen.“
Interviewer:
Womit kämpfst du innerlich am meisten?
Valerie:
„Das ist schwierig. Wie tief darf ich denn dabei gehen? #psyche“
Interviewer:
Unsere Leser sind im selben Alter oder älter als du. Sie können damit umgehen.
Valerie:
„Okay. Auf Ihre Verantwortung. Ich habe seit vielen Jahren mit Depressionen zu kämpfen. Leider existiert diese Krankheit in der Mega-City nicht. Daher muss ich ohne Medikamente klarkommen. Nur meine Freunde und meine Schwester wissen Bescheid. Ach, und Solanya natürlich. Ihr kann ich nichts verschweigen.“
Interviewer:
Wer ist Solanya?
Valerie:
„Das kann ich hier nicht verraten. Aber sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich fühle mich verantwortlich für sie.“
sie flüstert
„Und ich habe ständig Angst um meine Freunde.“
Interviewer:
Danke, dass du so offen damit umgehst.
Valerie:
„Verschweigen hilft nicht. Ohne Hilfe von Außen ist das alles nicht zu ertragen.“
*sie wird nachdenklich und beißt sich auf der Lippe herum*
Interviewer:
Valerie, können wir weitermachen?
Valerie:
„Ähh. Ja klar.“
Interviewer:
Okay. Wenn du die Stadt in drei Stichpunkten beschreiben müsstest, was würdest du sagen?
Valerie:
„Kalt. Gefährlich. Überfüllt.“
Interviewer:
Und hast du auch ein paar positive Aspekte?
Valerie:
„Meine Schwester. Sie weiß es nicht, aber sie hat mich oft gerettet.
Dann sind da Thomas und Sylvana. Ohne sie wäre diese Stadt nur Beton.“
*Plötzlich wird sie wieder knallrot im Gesicht*
„...und Frances.“
*Ihre Augen wandern nach rechts*
Interviewer:
Was fällt dir am schwersten an deinem Leben in der Stadt?
Valerie:
„Dass man sich irgendwann daran gewöhnt.
An den Lärm.
An die Regeln.
An das Gefühl, dass jemand ständig über dich entscheidet.“
kurze Pause
„Ich glaube, das ist das Gefährlichste an dieser Stadt.“
Interviewer:
Was macht dir Angst, auch wenn du es nicht zugeben würdest?
Valerie:
„Spinnen! Ich ekel mich so derbe vor Spinnen. Diese Viecher sollte es einfach nicht geben.
Und Agenten. Diese Sadisten jagen mir ständig einen Schauer über den Rücken.“
Interviewer:
Agenten sind die Antagonisten in deiner Geschichte, richtig?
sie nickt
Interviewer:
Gibt es einen Ort in der Stadt, an dem du dich sicher fühlst?
Valerie:
„Der Schacht. Also nicht der Film aus Spanien. Unser stillgelegter U-Bahn-Schacht. Aber ich möchte da jetzt nicht zu viel verraten.
Wäre wie ein Filmtrailer. Die schaue ich mir grundsätzlich nicht an. Wer mag schon Spoiler?“
Interviewer:
Gibt es etwas, das du bereust?
Valerie:
„…“
überlegt lange
„Mehr, als ich zugeben würde.“
Interviewer:
Du musst nicht darauf eingehen. Die Frage war unachtsam.
Valerie:
„Nee. Passt schon.“
Sie beißt sich auf ihrer Lippe herum
„Manchmal verletzt man Menschen, die einem wichtig sind, ohne es zu wollen. Und dass ich manchmal zu spät merke, was Menschen für mich tun.“
Sie atmet einmal tief ein
„... ich bin ihnen wirklich dankbar."
Interviewer:
Ich würde gerne noch etwas über deine Freunde erfahren. Welche Person in deiner Umgebung bringt dich regelmäßig zur Weißglut?
Valerie:
„Ich würde mich ja selber nennen, aber manchmal ist es Thomas. Er ist immer so rational und ich sehe ihm häufig nicht an, was er gerade fühlt oder denkt.“
Interviewer:
Wer ist der größte Nervfaktor in deinem Alltag?
Valerie:
„Ganz klar diese verdammte Schule. Der Unterricht ist öde und ich meist zu müde zum folgen. Zudem herrscht da eine ganz miese Stimmung. Schüler, die sich gegenseitig anschwärzen und ständig konkurrieren. Ich muss da ständig auf der Hut sein, wer, wann zuhört und wem ich vertrauen kann.“
Interviewer:
Wer versteht dich besser als alle anderen?
Valerie:
„Ich gehe selten offen mit meinen Gefühlen um. Aber ich schätze, ich kann den anderen nichts vormachen. Kein Pokerface.“
Interviewer:
Zum Abschluss noch etwas lockeres.
Was ist das absurdeste Gerücht über dich?
Valerie:
„Öhm.“
sie tippt sich an ihre Lippen
„Keine Ahnung.“
Interviewer:
Welche Eigenschaft an dir nervt andere am meisten?
sie hebt eine Augenbraue
Valerie:
„Ich bin jawohl eine mega entspannte Person.“
schaut verlegen nach links
„Na ja. Ich bin manchmal echt weinerlich und zünde schnell.“
Interviewer:
Wenn dein Leben eine Serie wäre – welches Genre wäre es?
Valerie:
„Ganz klar Action!“
Interviewer:
Welche Sache würdest du der Autorin verbieten zu schreiben?
Valerie:
„Die Grenze ziehe ich bei Inhalten über Sex oder dem Nacktsein. Ansonsten gehe ich mit dem meisten Dingen sehr offen um.“
Interviewer:
Wenn du ein Meme wärst, welches wäre es?
Valerie:
„The Office: No! God! No, god, please, no! No! No! Nooooo!“
sie bekommt einen Lachanfall
Interviewer:
Noch ein paar Schnellfragen. Kaffee oder Tee?
Valerie:
„Tee.“
Interviewer:
Nacht oder Tag?
Valerie:
„Nacht“
Interviewer:
Lieblingsort in der Stadt?
Valerie:
„Mein Bett.“
Interviewer:
Ein Wort, das dich beschreibt?
Valerie:
„Wunderbar… nee. Mutig?“
Interviewer:
Ein Wort, das dich falsch beschreibt?
Valerie:
„Ach komm… Mutig?“
Sie lacht laut
Interviewer:
Valerie. Ich danke dir für das Interview.
Valerie:
„Bitte, bitte.“
Das war unser erstes Gespräch mit Valerie.
Weitere Interviews mit Figuren aus Die Träume unter der Stadt folgen.