Mein Blog

Gedanken über das Schreiben, meine Geschichten und das Leben dazwischen.

 

 

2026.03.17 „Wie kam ich zum Schreiben?“

In meinem ersten Blogeintrag erzähle ich ein wenig darüber, wie ich überhaupt zum Schreiben kam und wie aus alten Ideen ein Buch wurde.

    Hi, ich bin Victoria und habe schon ein paar Sommer erlebt.

    Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin gemacht und einige Jahre in einer Kindertagesstätte gearbeitet. Leider habe ich die Signale meines Körpers zu lange ignoriert und bin schließlich in einem stattlichen Burnout gestrandet. Es folgten einige Jahre Therapie und später eine Umschulung zur Anwendungsentwicklerin.

    Aber wieso arbeitest du nicht als Programmiererin?

    Ich habe kein Praktikum bekommen. Über 100 Bewerbungen habe ich in meiner Stadt und Umgebung verschickt. Aber niemand hat gesucht. In Zeiten von KI und wirtschaftlichem Struggle blieb ich am Ende auf verlorenem Posten.

    Damit stand ich wieder am Anfang und hatte plötzlich viel Zeit, einen Laptop und viele alte Manuskripte aus meiner Jugend.

    Ich habe damals (statt in der Schule aufzupassen) viele Ideen, Geschichten oder einfach Gedanken niedergeschrieben und in Ordnern verschwinden lassen.

    Anmerkung: Verrückt, wie geliebte Hobbys in den Hintergrund rücken, wenn man Vollzeit arbeitet und abends völlig knülle nach Hause kommt.

    Von alten Ideen zu einem Buch.

    Also nutzte ich meine Zeit, kramte eine alte Idee hervor und begann, sie auszubauen. Die Figuren und das Grundgerüst waren schon da, nur die Zeichnungen mit Bleistift waren inzwischen fast verblasst.

    Ich war selbst überrascht, wie viel damals schon zusammenkam. Für den ersten Band musste ich daher vor allem ein ordentliches Outlining schreiben. Hier und da ein paar Charaktere anpassen, Orte ergänzen, weitere Nylari erschaffen und den Antagonisten komplett umschreiben – ich war damals noch sehr naiv und er war viel zu „nett“.

    Das Buch habe ich komplett in Eigenregie geschrieben, überarbeitet und noch einmal überarbeitet. Hätte ich damals gewusst, welchen Rattenschwanz das noch nach sich ziehen würde … Herrje.

    Irgendwann brauchte das Ganze natürlich auch einen Namen. So entstand Purple Clouds.

    Dann kam die nächste Frage: Wie bringt man ein Buch eigentlich in die Welt? Eine Druckerei musste her. Am Ende habe ich mich für BoD entschieden.

    Und Marketing? Auch damit habe ich mich beschäftigt. Ich war mit einigen Leuten im Gespräch, aber niemand wollte die Social-Media-Kampagne übernehmen – und ich selbst bin für diese Art von Dauerpräsenz nicht wirklich gemacht.

    Also musste eine andere Idee her. Ich begann, eine Website zu planen. Ein völlig neues Terrain für mich. Die Ideen prasselten nur so in meinen Kopf... und ihr seht ja selbst, was dabei entstanden ist.

    Zu guter Letzt kam mir der Gedanke, dass ein Blog vielleicht eine gute Idee wäre.

    Und so sitze ich heute hier, schreibe diese Zeilen und frage mich ein bisschen selbst, wie ich eigentlich hier gelandet bin.

    Allerdings hat mich dieser Weg wieder zu etwas zurückgeführt, das ich eigentlich schon lange in mir getragen habe: Geschichten erzählen.

    Vielleicht ist dieser Blog einfach ein guter Ort, um diesen Weg festzuhalten – zwischen Geschichten, Ideen und dem ganz normalen Chaos, das zum Schreiben eben dazugehört.

    Danke, dass du ein Stück davon mitliest.


Veröffentlicht am 17.03.2026 · Kategorie: Persönliches

„Selfpublisher, ein Löwe und die Suche nach einem Plüschtier: Meine Leipziger Buchmesse 2026“

 

    Drei von vier Tagen. Drei Tage, die mich erschöpft, glücklich und gleichzeitig ausgelaugt zurückließen. Wieso? Weil ich jeden Tag mehr Zeit in den Öffis verbracht habe, als mir lieb ist, mein Kuscheltier nicht fand und dennoch jeden Moment in guter Erinnerung behalten werde.

    Damit wir uns all den tollen und positiven Eindrücken widmen können, hier das unvermeidliche Negative: 
- volle Züge
- kaltes Wetter mit anschließender Erkältung
- zeitiges Aufstehen. 
Genug gemeckert.

 

Warum ich hingegangen bin

    Ich wollte mit kleinen Verlagen ins Gespräch kommen, eine tolle Zeit mit Freunden verbringen – einige Wohnen weit weg – und einfach den langen öden Winter hinter mir lassen.

    Am Mittwochabend: Ich packte meinen Rucksack, kontrollierte alles fünfmal und habe dennoch ein paar Dinge vergessen. Noch mein Dorf hinter mir lassen und ab in die Stadt. Eine Freundin ließ mich die Tage bei sich übernachten. Vielen Dank :) 

    Jeden Morgen gings zeitig zum Bahnhof, um mit der Direktverbindung nach Leipzig zu fahren.

    Der Donnerstag begann, wie alle weiteren Tage auf der Buchmesse: Über zwei Stunden Öffis, einem kurzen Sicherheitscheck, der wunderbar schnell ablief und dem plötzlichen Eintauchen in die Manga-Comic-Halle. Ein Farbgewitter aus Cosplays, vielen Ständen mit der Möglichkeit, eine Menge Geld loszuwerden und ich mittendrin, mit der unausweichlichen Frage: „Wo ist mein Jashin-Chan-Kuscheltier?“ Spoiler: Am Ende wurde es ein Glamrock Chica Plüschi – eine Entscheidung, die alles andere als falsch war.

    Getreu dem Motto: „Wohin der Wind uns treibt“, schlenderten wir durch die Gänge, trafen Bekannte und verloren uns in der Masse. Aber der Zufall ist ein seltsames Biest, das meine Pläne durcheinanderbrachte. In all dem Tumult tauche plötzlich ein Stand vor mir auf: Der Selfpublisher Verband.

    Plötzlich war alles ganz klar. Missionsänderung: keine „kleinen Verlage ansprechen“, sondern mein Buch in die Hand nehmen und sagen: „Hier bin ich. Das ist mein erster Roman. Ich will dazugehören.“

    Am Abend: mein BoD-Probeexemplar in die Tasche, hunderte Fragen im Kopf sammeln und mich mental darauf einstellen, auf fremde Menschen zuzugehen.

    Am Freitag: Der Moment, in dem ich mich komplett verlaufen hatte. Nicht nur in meinen Gedanken, sondern im Labyrinth der Messehallen. Ein Ort, der sich anfühlt wie der Nether in Minecraft, nur mit mehr Cosplays und weniger Piglins. „Wo war der Verband? Halle? Gang?“
    Orientierung ist was für Menschen ohne Zeit! Ich bin einfach weiter umhergeirrt, bis ich mich online vom Messeplan habe leiten lassen. Puh. Gefunden.

    Hypernervös? Oh ja. Zittern? Auch ein wenig. Aber als ich meine Fragen loswerden konnte, war da nicht nur Erleichterung, sondern das Wissen: „Hier bin ich richtig.“ Also tat ich, was getan werden musste: Ich füllte das Formular aus und meldete mich an. Mission erfüllt.

    Ich möchte nebenbei anmerken, dass es gemein von den Händlern ist, Regale aufzustellen, die ich mit meinen 1,75m nicht erreiche. Chica war ohne Hilfe unerreichbar, aber sie grinste mich von oben an – Liebe!

    Und dann kam der Samstag. Der Tag, an dem ich lernte, wie bunt die LBM werden kann. Und ich mittendrin, als ich einen Löwen an der Hand durch die Hallen geleiten durfte, bis wir den Treffpunkt der Furry-Community erreichten. Sie war groß – schätzungsweise 200 Furrys, die sich wie eine farbenfrohe Herde über den Platz bewegten. Willkommen im Wunderland.

 

Was habe ich über mich gelernt? Worauf ich stolz sein kann.

    Die LBM 2026 war vieles: ein Orkan aus Menschen, Lärm und Reizen, aber vor allem ein Test. Ein Test, den ich bestanden habe. Nicht weil ich perfekt war oder kleine Momente der inneren Unruhe hatte, sondern weil ich ein Ziel hatte und vor Ort war.

    Trotz meiner Ängste.
    Trotz meines Zitterns in den Händen, als ich mein Buch vor den netten Menschen vom Verband der Selfpublisher hielt.
    Trotz der Gedanken: „Was, wenn ich mich blamiere?“ oder „Was, wenn die mich auslachen?“
    Dennoch habe ich es gemacht. Und als ich Mitgliedsantrag unterschrieben habe, war da nicht nur Erleichterung. Sondern dieses Wissen: „Ich habe etwas für meinen Traum getan.“

 

Was möchte ich 2027 anders machen?

    - Nur Freitag und Samstag. Weil ich keine drei Tage brauche, um zu wissen, was ich will.
    - Cosplay fertigstellen, auch wenn ich handwerklich ungeschickt bin. Ich habe Hilfe gesucht und gefunden.

    Am Ende bleiben nicht nur die Erinnerungen an volle Züge, kalte Hände und eine Erkältung, sondern auch an:

    - die Momente, in denen ich lachte, bis mir die Seite wehtat.
    - die Stände, die mich arm gemacht haben – aber reich an Ideen.
    - das Gefühl, etwas geschafft zu haben – trotz allem.

    Vielleicht war die LBM 2026 nicht perfekt. Aber sie war eine Reise wert.
Weil sie mir gezeigt hat: Manchmal findet man, wonach man nicht gesucht hat und es trotzdem braucht.

 

Veröffentlicht am 24.03.2026 · Kategorie: Reisetagebuch

Warum ich eine Dystopie schreibe.

Ich war schon immer ein Kind der Zukunft.
    Das Weltall, Science-Fiction, Technologie. All das hat mich, seit ich denken kann, fasziniert. Nicht weil die Zukunft automatisch besser ist, sondern weil sie offen ist. Weil in ihr alles möglich ist. Das Wunderbare genauso wie das Schreckliche.
    In meiner Jugend kam das Cyberpunk-Genre dazu und hat mich nicht mehr losgelassen. Diese Ästhetik aus Neon und Schatten, aus glänzender Technologie und kaputten Menschen. Konzerne und reiche Einzelne, die das Geschehen lenken und die große Masse klein halten.
    (Parallelen sind schon heute gut zu erkennen. Wir erleben dies aktuell unter CEOs, die große Tech-Unternehmen leiten. Politiker, die sich kaufen lassen und Sozialstaaten immer weiter abbauen. Rechte Bewegungen, die das ganze rechtfertigen und „normaler“ erscheinen lassen)


    Zudem fasziniert mich Transhumanismus bis heute. Die Idee, den eigenen Körper weiterzudenken, zu verbessern, neu zu definieren. Die Schwächen des eigenen Seins zu vermindern und durch Technik aufzuwerten und neue Stärken zu erlangen. Das steckt tief in meiner Weltanschauung.


Aber da ist noch etwas anderes.
    Ich bin politisch. Laut und ohne Entschuldigung, sozial und philanthropisch. Ich beobachte, wie Macht funktioniert. Wie sie eingesetzt und gesteuert wird. Leider erkenne ich dadurch aber auch regelmäßig meine Hilflosigkeit. Es schmerzt mich, ansehen zu müssen, wie Konzerne über Menschen gestellt werden, wie Reichtum sich konzentriert während andere kaum über die Runden kommen, wie Faschismus nicht mit Pauken und Trompeten kommt, sondern wie das Overton-Fenster (der Bereich akzeptabler politischer Meinung der Gesamtheit) verschoben wird. Dies geschieht in kleinen Schritten, bis man sich irgendwann fragt, wann das alles normal geworden ist.
    Dystopien sind für mich kein Fantasy-Szenario. Sie sind eine Lupe auf die Gegenwart.


Und genau deshalb schreibe ich eine.
    Wenn ich „Die Träume unter der Stadt“ schreibe, schreibe ich über Unterdrückung, aber auch über Widerstand. Über Menschen, die in Systemen stecken, die sie zermalmen wollen, und die trotzdem nicht aufhören, sich zu wehren. Über die Frage, was es kostet, frei zu sein. Und ob es das wert ist.
    Als Autorin ist die Dystopie für mich kein Werkzeug der Hoffnungslosigkeit. Sie ist ein Werkzeug der Ehrlichkeit. Ich kann Dinge benennen, die im echten Leben zu groß, zu komplex, zu schmerzhaft zum Ansprechen sind und sie in eine Welt packen, die nah genug ist, um zu treffen, aber weit genug, um auszuhalten.
    Das ist der Grund, warum ich schreibe, was ich schreibe.
    Nicht trotz der Dunkelheit. Sondern Ihretwegen.

Veröffentlicht am 21.04.2026 · Kategorie: Persönliches

Wie schreibt es sich mit Depressionen?

Ich leide unter schweren Depressionen. So schwer, dass ich dafür einen Grad der Behinderung habe.
    Das sage ich nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich sage es, weil ich möchte, dass Menschen verstehen, was es bedeutet, mit dieser Krankheit zu leben, zu überleben... und zu schreiben.
Als Therapie, als Skill und für Erfolgserlebnisse.
    Um dem Ganzen etwas den Schrecken zu nehmen, bekam die Depri einen Namen: „Crazy“. Es sitzt unten am Ende der Schlucht, an einem tiefen schwarzen Teich. Es fristet sein Dasein, bis es ihm zu langweilig wird. Dann klettert es heraus und übernimmt über eine gewisse Zeit meinen Kopf - Coping (vom englischen „to cope“ – bewältigen) ist was Wunderbares.

Die Herausforderungen
    Die Erste und Schlimmste ist die Müdigkeit. Aber nicht die Art von Müdigkeit, die nach einer schlechten, wachen Nacht kommt. Sondern die mit dem Zusatz Erschöpfung. Sie setzt sich in jedem Muskel und Knochen fest. 
    Kraft ist Mangelware. Sie fehlt für alles, aber besonders für kreative Arbeit, die einen fordert. Sie gehen Hand in Hand mit Antrieb spazieren. Fehlt ein Teil, läuft der andere nur müßig. An schlechten Tagen sitze ich vor dem Dokument (oder einer Wand) und starre. Nicht weil ich es möchte oder mir nichts einfällt, sondern weil jede Bewegung sich anfühlt wie durch lila Wolken (Purple Clouds) zu waten. Jeder Gang zur Toilette ist ein Marathon. Jedes Wort, dass ich schreiben möchte, ist eine Mauer, die es zu überwinden gilt. Crazy ist hungrig und bedient sich großzügig.
    Wenn ich aber einmal angefangen habe. Also im Flow bin, dann läuft es meistens. Der erste Satz ist der Feind.
    Konzentration ist Luxus. An guten Tagen habe ich sie. An den meisten anderen laufe ich auf Sparflamme. Gedanken kommen langsamer, brauchen länger um Form anzunehmen, und bis sie auf dem Dokument sind, haben sie sich dreimal verändert. Was andere in kurzer Zeit schaffen, dauert bei mir manchmal Stunden.
    Und dann sind da die Zweifel. Immer. Sie haften an jedem Satz, jeder Szene, jedem Kapitel. Die Frage, ob das, was ich mache, gut genug ist (ob ich gut genug bin), ist ein ständiger Begleiter. 
Crazy lügt und betrügt. Es flüstert, dass alles sinnlos ist, dass niemand das lesen will, dass es keinen Unterschied macht. Dennoch schreibe ich. Crazy soll seine Klappe halten. Niemand mag Lügner.

Das Positive. Und ja, die Seite gibt es.
    Wenn ich etwas beende. Zum Beispiel einen Blog-Eintrag, ein Kapitel, manchmal sogar nur eine Szene, dann fühlt sich das anders an als wahrscheinlich für die meisten Menschen. Intensiver. Tiefer. Wenn man so viel kämpfen muss, um etwas zu schaffen und zu beenden, wiegt der Moment, wo es fertig ist einfach mehr.
    Das Schreiben ist ein Anker. Nicht immer, nicht an jedem Tag. Aber manchmal ist das Manuskript der einzige Ort, wo der Kopf zur Ruhe kommt. In einer Welt, die ich selbst gebaut habe, mit Menschen, die ich kenne, auch wenn es sie nicht gibt.
    Ich schreibe trotz meiner Depression.
    Ich schreibe mit ihr.
    Jeden Tag neu.

Wieso erzähle ich das?
    Vielleicht als Inspiration für dich. Als ein Zeichen, dass du damit nicht alleine bist. Wenn du jeden Tag mit deinem persönlichen Crazy um Oberwasser ringst, dann denke daran, dass dieser dunkle Begleiter auch mal müde wird. Du bist nicht deine Depression, aber du bist, was du daraus machst. 
    Gib nicht auf.

Veröffentlicht am 07.05.2026 · Kategorie: Persönliches

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.